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Die Trinkwasserversorgung im Ort

Die Trinkwasserversorgung der Einwohner erfolgte früher, neben den Wasserläufen, hauptsächlich aus einigen Hausbrunnen. Nicht jeder Hauseigentümer war jedoch in der Lage bei seinem Grundstück einen Brunnen anzulegen, denn nicht überall gab es Grundwasser.

Von fünf Haushalten wurde 1905 eine private Wasserleitung gebaut, die fasste eine stark laufende Quelle „Hinter der Stätte“ nutzte. Wegen des geringen Gefälles konnten Zapfstellen aber nur in den Kellern und Stallräumen eingerichtet werden. 1919 gab es erste Bemühungen, eine Gemeindeversorgung zu schaffen. Man ließ die Quellen im Bersbach, der Groh und dem Kranzborn untersuchen und zog einen Anschluss an die Quelle der Gemeinde Gersdorf, oberhalb von Willingshain in Betracht. Im August 1925 wurde die Quelle am Kranzborn aufgegraben, um die Leistung festzustellen; sie war aber nicht ausreichend. Im Januar 1926 stellten einige Bürger einen Antrag an die Gemeinde, auf Kauf der von Dörnbergschen Quelle oberhalb der Bahn in Hausen, genannt der „Jungfernborn“. Der Antrag wurde abgelehnt. Im Juni 1927 beschloss die Gemeindevertretung, einen Wünschelrutengänger zu Rate zu ziehen. Er fand leider in der Gemarkung keine geeignete Quelle für den Bau einer Wasserleitung. Im Mai 1928 bekam die Fa. Weppler den Auftrag, die Quelle im Kranzborn aufzugraben und mit Brettern einzuschalen. Für die Kosten von 1.050 RM nahm die Gemeinde bei der Kreissparkasse ein Darlehen auf. Im November 1928 wurde der Ingenieur Köhler aus Fulda beauftragt, für die Quelle im Bersbach einen Plan zu erstellen. Weil der Kostenvoranschlag für diese Maßnahme den hohen Betrag von 48.000 RM vorsah, wurde von der Ausführung Abstand genommen. 1938 war die Wasserleitung wieder Thema einer Gemeinderatssitzung, aber auf Grund fehlender Finanzmittel konnte keine Planung in Auftrag gegeben werden. Nun kam der Krieg, und an den Bau einer Wasserleitung war nicht zu denken.

 

In 1946 herrschte im Dorf die übereinstimmende Meinung, „eine Wasserleitung muss gebaut werden“. Zunächst wurde beabsichtigt, die Quelle „Hinter der Stätte“ mit einer Pumpstation und Entsäuerungsanlage auszustatten, die Planungskosten sollten 60.000 RM betragen. Das Ergebnis einer Untersuchung der Quelle in Hausen (Jungfernborn) im Januar 1947 bescheinigte sehr gute Wasserbeschaffenheit. Der Bürgermeister wurde nun mit dem Grundstückskauf beauftragt und der Plan „Hinter der Stätte“ fallen gelassen. Im November 1947 beschloss die Gemeindevertreterversammlung, die Ausführung der Anlage der Fa. Pfeifer Kassel zu übertragen. 10.000 RM flossen an die Firma für Rohrleitungslieferung der Fa. Buderus, Wetzlar. Kompensation schrieb man damals groß. Damit die Rohrlieferungen durch die Arbeiter der Buderus-Werke erfolgen konnten, wurden Lebensmittel im Ort gesammelt, speziell Speck und Wurst. Im Mai 1948 erfolgte der Beschluss, dass jeder Hauseigentümer als Rate (Eigenleistung in Hand- und Spanndienst) 10 lfd. Meter und jeder Mieter 4 lfd Meter an Graben zu öffnen und wieder zu schließen hatte. Von dieser Auflage wurden nur die Familien befreit, deren Ehemänner noch nicht aus dem Kriege zurückgekehrt waren und wo es keine männliche Arbeitskraft im Hause gab. Man begann mit dem Leitungsbau ab der Gastwirtschaft Richardt; es ging weiter entlang der Straße in Richtung Oberaula (jetziger Radweg). Am 20. Juni 1948 wurde die Währungsreform durchgeführt, das Kopfgeld betrug 40 DM je Person. Zu diesem Zeitpunkt waren die Rohre schon bis unterhalb des Judenfriedhofes bei Oberaula verlegt. Am 22.6.1948 stand ein Waggon Rohre am Bahnhof in Oberaula bereit. Da die Gemeindekasse leer war, konnte die Fracht nicht gezahlt werden. Der Bürgermeister und einige Herren der Verwaltung legten ihr erhaltenes Kopfgeld zusammen und zahlten damit die Frachtkosten der Bahn. Am 07.07.1948 wurde beschlossen, für das Öffnen der Gräben je Meter 0,90 DM und für das Schließen 0,30 DM zu zahlen. Für Maurerarbeiten zahlte man den Lohn gezahlt, den ein Arbeiter bei einem Unternehmer erhielt. Bei Fahrten mit Pferden, wurde ein Pferd wie ein Mann berechnet. Die Raten, die von den Haushalten zu zahlen waren, lagen wie folgt fest:

Bei der Kreissparkasse wurde ein Darlehen von 1.000 DM aufgenommen und am 09.02.1949 zur Fertigstellung der Wasserleitung noch eine 4. Rate beschlossen. Die Fa. Pfeifer bekam den Auftrag, den Hochbehälter zu bauen, der Voranschlag betrug 13.479 DM. Die Brandkasse versprach einen Zuschuss von 10.000 DM. Das Grundstück für den Hochbehälter wurde von Herrn Heinrich Happel zur Verfügung gestellt, als Gegenleistung erhielt er von der Gemeinde einen Wasseranschluss im Garten im Tal. Die Unterhaltung ging an ihn über, dafür brauchte er kein Wassergeld zu zahlen. Die gesamten Kosten für den Wasserleitungsbau betrugen 79.800 DM, die Kosten vor der Währungsreform nicht mitgerechnet. 1968 mussten die Quellfassung und die Entleerungsleitung erneuert werden.

Am 19.05.1970 beschloss man den Anschluss zum Neubau Fritz Richardt. Die Verbindung mit der Leitung beim Haus Pape stellten 100er-Rohre her.

Emil Appel, Heinrich Losekam und Christian Pape vor dem neu gebauten Hochbehälter, 1949

Diese Leitung sollte später als Quellenzuleitung verwendet werden, da die alte Zuleitung entlang der Straße viele Störungen aufwies. Für das Neubaugebiet Tal / Kuhl verlegte die Fa. Bätz die Anschlüsse. Im Haus Gluth / Morgenstern wurde eine Druckverstärkeranlage eingebaut. 1973 erfolgte die Herstellung einer neue Verbindungsleitung durch die Aulawiesen, ab Haus Richardt (Ortsausgang) bis zum Regenrückhaltebecken in Oberaula, in Eigenleistung.

1999 wurden die Baumaßnahmen zur Neuordnung der Wasserversorgung der Großgemeinde Oberaula fertig gestellt. Zur Gewährleistung der Trink- und Löschwasserversorgung nahm man in Olberode einen neuen Doppelkammerhochbehälter mit einem Speicherinhalt von 700 m³ und eine Wasseraufbereitungsanlage in Betrieb. In Hausen wurden ein Druckminderschacht und in Wahlshausen zwei Steuerschächte und ein Wasserzählschacht gebaut. Die Trinkwasserversorgung in Wahlshausen stellten der Brunnen Olberode (Zuleitung durch die Aulawiesen) sowie der Brunnen Oberaula (Zuleitung über den Lohn/Oberaula zum Kuhlweg/Wahlshausen) sicher. Im Jahre 2000 wurde der Hochbehälter im Tal stillgelegt und die Zuführung von Trinkwasser aus der Quelle „Jungfernborn“ in Hausen aufgegeben.

Neuordnung des Wasserversorgungs-Systems der Großgemeinde Oberaula, 1999. Das Tal bis Fam. Maurer (Hochzone Wahlshausen) erhält Wasser vom Brunnen Oberaula, das Dorf (Tiefzone Wahlshausen) erhält sein Trinkwasser vom Brunnen Olberode.

Von 2008 bis 2010 wurden im Zuge der Straßenbaumaßnahmen Kirchweg / Gräsbach / Hinter der Stätte die Wasser- und Kanalleitungen erneuert.

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