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Das Backhaus im Gräsbach

Aus der Zeichnung geht hervor, dass Lorenz Battenberg am 26.06.1881 die Genehmigung zum Bau des Backhauses erhalten hat. Unter anderem heißt es da: „Risse zu einem neuen einzügigen Backhaus mit Ofen für Herrn Lorenz Battenberg zu Wahlshausen“ und „für die richtige Ausführung des Baues sind verantwortlich der Bauherr und Übernehmer, Maurermeister J. Nuhn, Lorenz Battenberg“ und „Technisch geprüft. Bei Anlage des Schornsteins und der Züge des Backofens sind die Vorschriften des D-22…. der Bauordnung zu beachten, Homberg den 26.06.1881“. Das Backhaus wurde auf Gemeindeeigentum errichtet und war ein Gemeinschaftsbackhaus von 10 Familien:

Wagner, Johannes (Schenkes/Nuhn)
Kimpel, Johannes (Kimpels/Wenzel)
Battenberg, Lorenz (Beckesch/Stiebing)
Paul, Johann Heinrich (Pauls)
Hahl, Heinrich (Röths-Willems)
Paul, Andreas (Jules)
Röth, Nikolaus (Peffesch/Imhof)
Röth, Konrad (Kappels/Knauff)
Koch, Johannes (Kochs/Bornschier)
Becker, Ludwig (Brehms/Korth) deren Anteil ging über auf Brehm, Caspar (Brehm/Eifler)

 

Bauzeichnung vom 26.06.1881, aus dem Situations-Plan ist der Standort des Backhauses sowie der umliegenden Wohn-/Hofgrundstücke ersichtlich

 

Backhaus von 1881 bis 1997

 

Im Jahre 1997 wurde das Backhaus von den Anliegern renoviert.

 

 

 

An den Renovierungsarbeiten haben mitgewirkt:

Hans Nuhn, Konrad Nuhn, Johannes Brehm, Helmut Eifler, Konrad Paul, Konrad Stang, Heinrich Wenzel, Heinz Schmidt, Ludwig Kimpel, Heinrich Schneider, Siegfried Imhof, Horst Knauff, Adam Knauff, Arnold Brethauer, Horst Dickel, Karl Heyde, Karl Nuhn

HNA aus dem Jahre 1997

 

 

In unserer Gegend wurde früher viel Roggen angebaut, so dass den Kleinbauern nach dem Dreschen und Mahlen Roggenmehl für das Backen zur Verfügung stand. Einige Familien hatten einen eigenen Backofen im Haus oder ein Backhaus außerhalb des Hauses. Andere taten sich als eine Art „Backgemeinschaft“ zusammen und backten ihr Brot in einem entsprechend größeren Gemeinschaftsbackhaus. Dann erforderte das Backen natürlich einen geregelten Ablauf.

 

Alle Backinteressierten, die in der folgenden Woche backen wollten, trafen sich am Samstagvormittag im Backhaus beim Kuchenbacken. Dort wurde dann die Reihenfolge festgelegt.

 

 

Dabei ging es zunächst um den „Anheizer“ am Morgen, der etwa 2-2,5 Stunden einplanen und stärker aufheizen musste. Es wurde darauf geachtet, dass dieser Sonderdienst immer reihum verteilt wurde. Für das Heizen des Ofens verwendete man überwiegend Buchenreisig (2-3 Gebinde) und Buchholzknüppel (3-4 Arme voll). Die Reiser waren garbenähnlich zusammengebunden und wurden im Ofen angesteckt, die Knüppel später nachgelegt. Der Ofen war heiß, wenn Reisig und Holz zu einer feinen Glut verbrannt waren und die Schamottsteine eine weiße Farbe angenommen hatten. Die Restglut wurde mehrfach auf dem Ofenboden verteilt und zum Schluss mit dem „Kest" aus dem Ofen herausgeholt. Nach dem Abwischen des Ofenbodens mit nassen Lappen konnten dann die Brotlaibe (bis zu 20 Laibe von ca. 6 Pfund) mit dem "Häler" in den Ofen eingeschossen werden.

 

Am Vortag abends wurde im Backtrog der Brotteig angesetzt, ein Gemisch von Roggenmehl, Salz, Sauerteig und lauwarmem Wasser. Am Backtag morgens knetete man den Teig gut durch. Dann musste er gehen, bevor Brotlaibe geformt und auf den langen Backdielen abgelegt werden konnten. Auf Handwagen oder Schubkarren wurden die Dielen nun zum Backhaus transportiert. Schossen zwei Familien zusammen Brot ein, wurde zur Unterscheidung des Brotes dieses mit den Initialen der Besitzer gekennzeichnet. Nach 2 Stunden Backzeit war das Brot fertig gebacken. Die Laibe wurden mit dem „Häler“ wieder ausgeschossen, mit Salzwasser abgewischt und dann für weitere 10 Minuten hineinge-schoben, damit sie schön glänzten. Die Kuchen brauchten nur etwa 30 Minuten Backzeit. Auf große Backbleche wurde ein 1 – 1,5 cm dicker Brotteigbelag aufgedrückt. Darauf kamen entweder Kartoffelbrei, Äpfel, Pflaumen, Zwiebeln und Speck oder einfach nur Schmand und Zucker.

Samstag Kuchenbacken: Traudel Battenberg und Margarete Bullmann

 

Bis zum Jahre 1997 wurde noch regelmäßig Brot in unserem Backhaus gebacken. Seitdem ist die Nutzung nur noch unregelmäßig, meistens zum Backen von Brotkuchen für Veranstaltungen, so zuletzt vom Kultur- und Backverein. Anlässlich der 700-Jahrfeier wurden Zwetschgen- und Zwiebelkuchen gebacken und verkauft. Damit das Backen gelingen konnte, stand die über 80-jährige „backerfahrene“ Anna Nuhn tatkräftig mit ihrem reichen Erfahrungsschatz zur Verfügung. Sie zeigte, wie angeheizt wird, wann der Ofen heiß ist und wie das Ganze handwerklich zu handhaben ist.

Anna Nuhn hat den Ofen angeheizt. Für Fernsehaufnahmen für die Sendung „Dolles Dorf“ wird Brotkuchen gebacken

 

Der fertige Brotkuchen wird mit Handwagen zur Verkostung zum Feuerwehrhaus transportiert

 

Für die Veranstaltung „Unser Dorf hat Zukunft“ am 06.09.2011 werden Ofenkartoffeln im Backhaus gegart und später mit einem Quarkdipp angeboten. Ursula Eckhardt und Irene Berg werden unterstützt von Helga Strippel und Marlies Hofmann

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